#huntinginternational – oder Frühjahrsjagd in Netolice

Man wächst mit seinen Aufgaben oder wie war das?

Die sportliche Truppe des SVB hat sich jedenfalls Anfang des Jahres entschieden nach der gelungenen Herbstjagdsaison direkt mit einem „Brett“ ins Frühjahr zu starten. Es war einfach eine unbeschreibliche Erfahrung. Tolle Hunde, tolle Pferde und genauso tolle Reiter. Eine unbeschreibliche Landschaft mitten im Böhmerwald, neue sportliche Herausforderungen und einfach insgesamt ein geniales Event. Aber fangen wir doch ganz am Anfang an…

Februar 2017

Wir erhalten die Einladung… Start der Planungen. Einiges an hin und her überlegen. Letztlich dann doch die Entscheidung: Wir fahren nach Tschechien zum Jagdreiten. 4 Mädels, 4 Pferde – ein Abenteuer.

April 2017 – es wird Ernst

Gefühlt waren wir alle etwas in Trainingsrückstand, da der Wintereinbruch im Februar uns nochmal 2 Wochen Konditionstraining verleidet hat. Naja. Der Geländekurs im März lief für alle Beteiligten erfolgreich und so waren wir dann doch guter Dinge, dass unsere Ponys das heil überstehen werden – die Aussicht auf einer richtigen Hindernis-Rennbahn reiten zu dürfen tat natürlich ihr Übriges.

Donnerstag, 20.04.17

Dagmar und Bel treten den ersten Teil der rund 450km einfach an. Anreise vom Chiemsee in die Holledau. Kurzes Beinevertreten auf dem Paddock, Box beziehen, Hänger und Auto beladen bis spät abends. Letztendlich dann doch noch was essen, duschen und ins Bett fallen. Ich hatte wenig Schlaf, irgendwie war ich dann doch nervös.

Freitag, 21.04.17 – es geht los

Morgens halb 9 in Deutschland. Pferde verladen, Kaffeekanne befüllt, noch eben tanken, dann gehts los.

Hänger

Gut 4 Stunden später, nach einer kleinen Offroad-Aktion im Böhmerwald, den Todes-Serpentinen runter ins Tal und gefühlt 7l Kaffee waren wir dann da: Schloss Kratochvile in Netolice. Die Pferde durften stilecht im Rennstall wohnen, die Stallburschen waren allesamt bemüht und nett und toll zu den Pferden. So fuhren wir also ein paar KM weiter in unser Hotel zum Umziehen, frisch machen und was trinken vor der ersten Runde über die Bahn. Da saßen wir dann bei unserem wohlverdienten Radler als wir auf einmal vom Nachbartisch her die Warnung erhielten „Mädels, die 0,0 werden hier sehr ernst genommen!!“ – Na gut. Schnell wurden 2 Radler in Apfelschorle getauscht und schon fuhren wir zurück zum Stall.

Pferde fertig machen und los gehts

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Den Freitagabend ließen wir dann im Hotel ausklingen bei Steak zu sehr erschwinglichen Preisen, einigen Radlern und Wodka und in netter Gesellschaft anderer Jagdreiter aus aller Herren Länder. Auch die Equipage der Vogelsberger lernten wir hier kurz kennen.

Samstag, 22.04.17 – Gute Jagd

Samstag morgen gab es ein kurzes Frühstück im Hotel und dann gings auch schon ab zum Schloss. Kurz prüfen, dass es den Pferden gut geht, Capgeld und sonstiges bezahlen und dann sind wir bayerischen Atheisten, die englische Protestanten reiten doch tatsächlich zur Hubertusmesse gegangen. Das war wirklich eine schöne Andacht, ganz unter uns in der kleinen Schlosskapelle, stilvoll untermalt von den Jagdhornbläsern.  Gänsehautstimmung kam hier sicher nicht nur wegen der kühlen Temperaturen in der Kapelle auf. Im Anschluss daran gab es das Jagdfrühstück und schon waren wir dabei die Pferde zu satteln und fertig zu machen, denn um 12.30 Uhr sollte der „erste Run“ direkt an der Rennbahn starten.

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Tatsächlich startete alles etwas chaotisch. Für uns Bayern war der Losritt der Schleppenleger und das Anlegen der Hunde irgendwie kurz nicht richtig ersichtlich, zeitgleich hatte ein Pferd seinen Reiter verloren und wir waren kurz unschlüssig, ob wir noch warten oder hinterher gehen sollten. Da aber schließlich das Jagfeld abzureißen drohte, galoppierten wir los und hatten eine – nennen wir es mal – ereignisreiche erste Schleppe.

Die zweite Schleppe war kaum weniger nervenaufreibend, endete sie doch direkt nach dem ersten der sagenumwobenen Gräben.

Da die dritte Schleppe quasi direkt weiter ging, blieb uns nicht viel Zeit zum Nachdenken. Sonja und Nancy hatten sich schon für das zweite Jagdfeld entschieden, ich war noch etwas unschlüssig. Leider scheuten einige Pferde vor dem nächsten Graben – so dann auch Jules. Also suchte ich mir kurzerhand eine Alternativroute – Dagmar wartete auf mich und eine Mitreiterin (hallo Saskia 😉 ). Das nächste Hindernis war ein Wall, den man in zwei Sprüngen überwinden musste und hier kam Jules aufgrund der Bodenverhältnisse (Sand, der unter seinen Hufen nachgab) ins Straucheln. Aber mein grandioses Pferd entschied sich wie immer cool zu bleiben, er stützte sich im Hang ab, ich stieg ab, er stand auf und arbeitete sich hoch. Oben angekommen saß ich wieder auf und die wilde Jagd konnte weitergehen.

Diese Aktion hatte mir dann doch etwas den Schneid abgekauft und ich entschied, vorerst mit den anderen im zweiten Feld zu bleiben. Die Waldschleppe war durchaus auch nochmal ne große Herausforderung, denn grade den nicht ganz kleinen Reitern auf den nicht ganz kleinen Pferden blieb schlicht nichts anderes übrig als sich flach auf den Hals zu legen und darauf zu vertrauen, dass das Pferd das schon machen wird. Diese Schleppe bescherte einigen blutige Gesichter, aber im großen und ganzen kamen wir gut durch.

Nach der Pause ging es nicht weniger sportlich weiter, aber zumindest kamen da keine großen Überraschungen mehr.

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Beim Halali waren sich alle einig: Große Herausforderung, großartiges Erlebnis, von allen toll gemeistert und das wichtigste: jeder einzelne Reiter hatte „das beste Pferd unterm Arsch“ 😉

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Fix und alle aber glücklich ging es dann nach kurzer Einkehr im Schlossrestaurant zurück ins Hotel, um uns für das Dinner plus Tanz abends im Schlosssaal fertig zu machen.

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Ein netter Abend in schicken Kleidern, mit tollem Essen und Wein wurde dann mit einem Absacker im Hotel in kleiner Runde beendet.

Sonntag, 23.04.17

Nach etwas Ausschlafen und check-out trafen wir uns wieder am Stall, um ein letztes Mal gemeinsam über die Bahn zu reiten. Locker flockig einige Runden galoppieren, ein paar Sprünge mitnehmen und so ein wundervolles Wochenende beenden. Danach machten Dagmar und ich uns auf den Heimweg, der auch deutlich weniger beschwerlich war als der Hinweg. Auf dem Weg nach Hause machten wir noch eben klar, dass wir am Wochenende danach in Roth die Frühjahrsreitjagd reiten würden.

Fazit: Es war ein unglaubliches Erlebnis und da wir so nett aufgenommen wurden, wir und unsere Pferde so sehr über uns hinaus gewachsen sind und wir vor allem alle das ohnehin schon große Vertrauen in unsere Pferde noch mehr vertieft haben, werden wir nächstes Jahr sicher wieder anreisen. Da nun klar ist, dass es auch die Möglichkeit gibt, sich Paddocks abzustecken, werden Dagmar und ich dann auch die Montagsjagd noch mitnehmen, denn mit einem Paddock kann ich das auch dem Herrn Jules zumuten.

An dieser Stelle möchte ich noch ein großes Lob aussprechen an die Vogelsberger Equipage und ihre grandiosen Beagles. Trotz der sehr wenigen Trainingsmöglichkeiten wegen der Brut- und Setzzeit waren die Hunde wirklich auf zack. Spurtreu, unglaublich schnell und einfach nur hammer!! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Nürnberg und natürlich spätestens nächstes Jahr in Netolice!

 

Wenn jemand nähere Infos oder noch mehr Bilder sehen möchte, darf er oder sie mich gerne anschreiben 🙂

Darauf trink ich grad noch ein Bierchen – Prost!
Eure Offenstalltussi

 

Jules und Micky… 3 Jahre voller Action

Ich wurde kürzlich gebeten doch ein wenig mehr zu Jules‘ und meinem Werdegang der letzten 3 Jahre zu erzählen. jaaa. Ich fang dann mal an 😉

März 2014 – Jules zieht ein

Als ich damals Anfang 2014 wieder in meine Heimat zog, war klar, dass über kurz oder lang auch wieder ein eigenes Pferd auf dem elterlichen Hof einziehen wird. Ich sah mich also eine Weile um und verliebte mich in Jules. Jules war damals 16, ich wusste von einem kleinen Arthrose-Problemchen im Vorjahr, aber sonst schien er soweit gesund. Jules ist ein Fuchs von 1,75m Stockmaß. Also genau das, was ich suchte. Nämlich 1,55 und Rappe … Aber man bekommt ja immer das Pferd, das man braucht und nicht, das man will oder wie war das?

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Jules‘ erster Tag

Jules zog also ein. Jules kannte über mindestens 10 Jahre nur den Turnierstall. Also Box, Paddock und mit Glück ein Streifen Wiese. Man kann sich vorstellen, dass er anfangs ein wenig überfordert war von 1ha Winterweide (es war ja März) und draußen bleiben bis es dunkel wird. Die ersten Wochen hab ich ihn nämlich nachts noch eingestallt. Fütterung (Hafer/Maisflocken) hab ich von der Vorbesitzerin übernommen, genau wie die Ausrüstung. Ganz nach dem Motto „never change a running system“. Die erste Zeit ging alles gut. Der Herr gewöhnte sich langsam ans immer länger draußen bleiben und irgendwann Anfang Mai stand er dann abends auch nicht mehr wartend am Gatter und wollte rein. Nun hatten wir also ein waschechtes Offenstallpferd. Er wirkte glücklich und zufrieden in seiner WG mit dem Traber und wir lebten so vor uns hin. Gewisse reiterliche Defizite störten mich anfangs nicht, wir gingen ja nur ins Gelände.

 

Oktober 14 – die Reitbeteiligungen sind los

So vor dem Winter entschied ich mich eine Reitbeteiligung zu suchen, da klar war, dass ich neben der Arbeit und unseren suboptimalen Trainingsbedingungen (Grasplatz, kein Licht) im Winter nur wenig würde tun können mit Jules und grade mit der Arthrose im Hinterkopf möchte man ja regelmäßige gezielte Bewegung gewährleisten. Da ich niemand fand, der 2 Tage die Woche kommen wollte, hatten wir dann 2 sehr nette Mädels mit jeweils einem festen Tag. Alles lief super, die beiden liebten Jules, er mochte sie. Alle zufrieden.

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Winter 14 – hier noch mit alter Ausrüstung

Dezember 14 – das Schicksal nimmt seinen Lauf

Wir kommen also in den ersten gemeinsamen Winter und damit kam die Mauke. Hinten rechts. Das weiße Bein. Wo auch sonst. Gut. Ich also das Internet durchforstet und wochenlang die gängigen Hausmittelchen durchprobiert.  Nichts davon half. Als dann noch ein richtig schöner Einschuss dazukam, hab ich an den Tierarzt übergeben. Am Ende der Woche war ich 400€ ärmer und der Fuß maukefrei. Genau für eine Woche. Dann ging das Spiel von vorne los. Nur ohne Einschuss.

Nach einiger Recherche stieß ich dann auf die wunderbare Almut von sapodoris.de. Almut stand mir mit viel Rat und einem offenen Ohr in langen Emails immer zur Seite. Es wurden Fotos geschickt, Behandlungsempfehlungen ausgesprochen und langsam aber sicher wurde es besser, sehr langsam. Der Verdacht, dass da mehr im Argen liegt, wurde immer größer. Also Blutbild gemacht, Mineralmängel festgestellt. Diese behoben. Aber so richtig gut wurde es nicht. Noch nicht. Es war klar, ich brauche Hilfe vor Ort. Aber wen und woher und welcher Therapie-Ansatz?

Februar 2015 – so langsam geht’s an die Substanz

Da stand ich nun also. Nach knapp einem Jahr mit wieder eigenem Pferd. Eine totale Baustelle, ein immer noch dickes Bein. Offenbar ging es ihm einfach nicht gut und ich wusste nicht mehr, was ich noch tun sollte. Täglich zwei Mal waschen und cremen, dazu bewegen, damit das Bein dünner wird, Box misten, denn das sollte ja sauber bleiben… Ich kam wirklich an den Rand meiner Kräfte. Die Mädels waren klasse. Kamen trotz allem weiterhin jede Woche. Unterstützen mich mit allen Therapie-Ideen, die ich so hatte.

Im Februar dann kam unser Tierheilpraktiker Ulli ins Spiel. Und Ulli machte einen wunderbaren Job. Der ganzheitliche Ansatz, sein Gespür für Tiere und deren Baustellen und seine Behandlungsmethoden… Das brachte den Durchbruch. Denn auch wenn im Blutbild alles in Ordnung schien – so reagierte Jules doch extrem auf die Triggerpunkte für Leber und Niere. Dazu kam, dass ihm offensichtlich der Sattel, den ich von der Vorbesitzerin übernommen hatte, hinten und vorne nicht passte. Obendrein hatte er noch wirklich viele Verspannungen von Atlas bis Schweifrübe inklusive schiefer Hüfte… Die Baustelle wurde immer größer – das finanzielle Fass hatte schon länger keinen Boden mehr.

Wir starteten also mit verschiedenen Kuren für Leber/Niere. Dazu Akupunktur. Kurz darauf trat Vera in unser Leben, eine ganz wunderbare Physiotherapeutin, die in mehreren Sitzungen und mit vielen Erklärungen und Hausaufgaben Jules‘ Blockaden löste und siehe da – als das ISG nicht mehr blockiert war und durch die homöopathische Kur und die Akupunktur so langsam der Stoffwechsel wieder ins Lot kam, wurde auch das dicke Bein wieder dauerhaft dünn. Parallel dazu stellten wir die ganze Ernährung um. Weg mit dem Mais, her mit Schwarzhafer und Luzerne, passendes MiFu, alles tippitoppi.

Dazu kam dann natürlich auch ein neuer – passender Sattel. Naja. Passend. Dem Zitat der Sattlerin zufolge „so gut passend, wie diesem Pferd eben ein Sattel von der Stange passen kann“. Zwischen den Zeilen gelesen war mir also schon klar, dass da irgendwann nochmal was anderes her muss, aber für den Moment waren wir versorgt. Und zum Dressurreiten hatten wir ja ein Pad.

der neue Sattel
Die neue Ausrüstung ist da!

Nichtsdestoweniger musste ich einfach mal raus. Mir wurde alles zu viel. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen, nur noch Therapeuten am Pferd, Geld investiert ohne Ende. Abends nach der Arbeit Box misten, Bein versorgen, spazieren gehen. Ich war durch. Und auch mein THP war sicher, dass ich einfach mal raus musste, weil so langsam meine Sorgen das Problem am Gesundheitszustand des Pferdes waren.

Ich sprach also mit meinen Eltern und den RBs und fuhr spontan zwei Wochen in Urlaub. Dort wurde ich nur sporadisch auf dem Laufenden gehalten und erholte mich wirklich gut. Die Mädels und Papa hatte zu Hause im Stall alles im Griff. Als ich wieder kam, sah die Welt völlig anders aus. Ich hatte wieder Zuversicht und neuen Tatendrang und es ging voran.

Frühjahr 15

Wir werkelten also weiter so vor uns hin. Es ging auf die Sommerweide, der Herr nahm langsam zu (völlig abgebaut an Masse und Muskeln hatte er nämlich so ganz nebenbei im Winter auch noch), das Reiten lief wieder. Außerdem versuchte ich mich in Longe- und Bodenarbeit. Mit… nennen wir es mal „mäßigem“ Erfolg. Recht bald war klar: Wir brauchen Hilfe. So kam dann im

Juli 15

unsere liebe Tara ins Spiel. 🙂 Tara ist unsere Reitlehrerin und arbeitet nach klassisch-akademischen Grundsätzen. Genau so etwas hatte ich gesucht, weil ich Jules biomechanisch korrekt und nochmal ganz von Anfang an „ausbilden“ wollte. Als er kam war er recht schenkel- und zügellahm. Ich würde sagen klassisch „sauer geritten.“ Er mochte nicht an das Gebiss herantreten, konnte den Rücken nicht anheben. Von Versammlung, Aufrichtung oder auch nur vorwärts/abwärts keine Spur. Herr Pferd lief wie eine Giraffe und hatte keinerlei Motivation, daran was zu ändern. Der neue, passende Sattel, ein neuer Zaum (die pöhse Dressurkandare ) und die Behandlungen für den Rücken waren da schon ein wichtiger Schritt. Aber es war klar: Wenn man den Rücken dauerhaft bessern will, muss man an der Muskulatur und Beweglichkeit des Pferdes arbeiten und dabei sollte Tara uns helfen.

Ich fuhr Ende Juli 15 zu Tara, besichtigte den Stall und wir quatschten über eine Stunde über Jules, seine Vorgeschichte, meine reiterliche Vorgeschichte und ihre Trainingsansätze. Eine Woche später waren wir zum ersten Mal dort.

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Akklimatisieren vor der ersten Einheit bei Tara

Tja. Was soll ich sagen. Ich hatte mir ein wenig mehr erwartet als dass ich 30 Minuten rückwärts gehend vor meinem Pferd herlaufe und ihn mit Gertenberührungen davon abhalte in einer Schulter auszufallen. Genau das war dann auch meine Hausaufgabe… 4 Wochen lang. 4 Wochen lief ich rückwärts mit der Gerte wedelnd vor meinem Pferd her und davor und danach massierte ich ihm den Rücken nach den Vorgaben von Vera (unserer Physio). Soll ich euch was sagen? Ich kam mir reichlich bekloppt vor. Meine Eltern lachten schon nur noch, wenn ich wieder mit Gerte und Kappzaum bewaffnet auf den Reitplatz stiefelte.

Massage
Massage Einheit

Aber nach 4 Wochen zeigten sich erste Erfolge und dann ging es eigentlich recht zügig vorwärts. Als der Herr dann mal verstanden hatte, dass er parallel fußen kann, dass Biegung nicht automatisch auf die Schulter kippen heißt und dass der Kopf so mit Maulspalte auf Buggelenkshöhe auch ganz bequem ist… Dann ging es in Riesenschritten vorwärts. Wir konnten dann den Abstand beim Führen immer weiter vergrößern, es klappten auch schon erste Trabversuche und es brauchte immer weniger Einwirkung für eine ordentliche Haltung. So ging es dann weiter zu den Grundlagen der Bodenarbeit. Kruppherein im Schritt, bald Schulterherein, beides am Zirkel, im Wechsel und auch im Trab… Das Pferd machte keinen Halt vor nichts mehr 🙂

Oktober 16
Oktober 15 nach der Bodenarbeit

Der nächste Winter kam und damit der Stillstand. Eine Reitbeteiligung verließ uns und um dem Herrn dann unter der Woche neben dem Job überhaupt Bewegung bieten zu können, fuhr ich einmal die Woche zu Tara. Wir hatten zwar immer tolle Einheiten, aber irgendwie kamen wir einige Wochen so gar nicht richtig voran. Wir probierten viele Gebisse durch, auch den Semikappzaum… und irgendwann hatten wir dann das richtige gefunden. 🙂

Im Januar 16

hatten wir den nächsten Durchbruch. Beim Trainingssamstag war Jules auf einmal super motiviert und wir mauserten uns zum Streberteam des Tages. Vom Kruppherein im Trab auf dem Zirkel wechselten wir quasi völlig fließend in die Traversalen. Ein Knoten war geplatzt und ich endlich mal wieder irrsinnig begeistert von meinem Pferd. Nicht dass ich das davor nicht gewesen wäre, aber dieser Stillstand und die viele Arbeit ohne nennenswertes Vorwärtskommen – irgendwie ist das doch frustrierend.

Wir bekamen also langsam neuen Tatendrang, der Winter war bald vorbei und es ging immer weiter vorwärts.

Leider war er über den Winter erneut sehr dünn geworden und er musste auf der Weide erst wieder einiges zulegen. Aber davon ab ging es ihm schon super.

Im Mai zog dann noch unser La Selle bei uns ein. Das war so der letzte Ausrüstungsgegenstand, den wir noch brauchten.

Im Juli 16

zu unserem Jahrestag waren wir auch wieder bei Tara zum Samstagstraining zu Gast und konnten gar nicht glauben, wie viel wir in dem einen Jahr gelernt hatten und wie weit wir schon gekommen waren: Ein gesundes, glückliches Pferd mit sichtbarer Motivation, die gestellten Aufgaben zu lösen und die Anforderungen zu übertreffen. Vernünftige Muskulatur, Beweglichkeit und völlig entspanntes Mitarbeiten. Ich war einfach nur glücklich.

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Die ersten Traversalen im Galopp

Zu der Zeit war ich nun auch 10 Wochen freigestellt von der Arbeit und hatte richtig viel Zeit, um mit Jules zu arbeiten. Ich wechselte anstrengende und weniger anstrengende Einheiten, Gymnastik am Platz mit Konditionstraining im Gelände ab. Und hier passierte dann auch das Unglaubliche… Eigentlich wollte ich ja einen Springer, hab dann aber mit Jules ein 10 Jahre lang nur dressurmäßig gerittenes Pferd gekauft mit der Info „Springen ist nicht so seins, der geht nicht mal gern über Cavaletti“… Na gut. Konnte ich irgendwie mit leben. Wir hatten uns für ein Jagdpferdetraining angemeldet. Unser Schleppjagdverein bietet das mehrmals im Jahr an zum Reinschnuppern für Pferd und Reiter. Ich dachte mir, wir versuchen das mal, schließlich liebte ich als Kind das Jagdreiten und Jules war ja mittlerweile absolut geländegängig – wenn auch kein Springer.

Nun ja. Wir galoppierten also im Gelände einen relativ steilen Waldweg hoch als plötzlich ein Baumstamm quer lag. Und ich rechnete mit allem… Dran vorbei, stehenbleiben, links, rechts… Aber nein. Jules setzte an und sprang drüber. Von alleine, völlig ohne Druck. Als ob er mir sagen wollte „Schau, jetzt hab ich genug Kraft, jetzt mach ich das auch gerne!“ Ich hätte weinen können vor Freude, so überwältigt war ich.

August 16

Wir fuhren also zum Jagdtraining. Und das war ein Spaß! Dass ich ein intelligentes Pferd habe, wusste ich ja schon länger, aber hier wuchs er wirklich über sich hinaus. Ich hatte mit Robert, dem Vereinsvize, vereinbart, dass er mir beim Springtraining mit Chico voraus-springt. Chico ist ein absolut routinierter Springer. Also ritten wir zum Obstgarten, Robert und Chico sprangen voraus und Jules sprang ohne zögern alles hinterher. Ob Baumstamm, Bürsten, Wall oder Graben. Es war ihm egal. Er sprang einfach. Wir waren also bestens für die Jagdsaison vorbereitet, denn wie das mit den Hunden und dem hinterher galoppieren läuft, das hatte Jules innerhalb von 2 Einheiten begriffen.

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Herbst/Winter  16/17

Wir ritten also eine unbeschreibliche Herbstjagdsaison mit insgesamt 7 Jagden, parallel dazu trainierten wir weiter mit Tara. Seit Oktober bzw. Dezember haben wir nun wieder 2 tolle Mädels, die uns regelmäßig unterstützen und bei denen Jules wirklich in besten Händen ist. Diesen Winter wurde er sogar ein bisschen mopsig, was ich von ihm gar nicht kenne, aber die Wohlstandsplautze steht ihm gut 😛 Hab ich wohl meiner weiteren Optimierung von Kraft- und Mineralfutter zu verdanken.

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Die Plautze 

Ich freue mich wirklich, nun nach der Winterpause endlich wieder voll ins Training einzusteigen und meinen nun fast 20-jährigen in die nächste Jagdsaison mit akademischem Background zu schicken. Ein bisschen bunte Hunde sind wir ja schon immer. Die ARler grinsen immer, wenn ich vom Jagdreiten erzähle, die Jagdreiter sind ganz erstaunt, wenn ich von der AR erzähle… Aber für uns beide ist das die perfekte Kombination. ❤

Ich habe diese sehr persönliche Geschichte aufgeschrieben, um anderen Mut zu machen. Wir hatten wirklich dunkle Zeiten, in denen es uns nicht gut ging. Physisch wie psychisch. Jules ist ein Vollblut-typisch sehr sensibles Pferd. Er spiegelt viel, er trägt viel von mir, er kommuniziert viel – wenn man ihm zuhört. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass er anfangs auch Züge der erlernten Hilflosigkeit hatte, dass er sich damit abgefunden hatte, dass keiner versteht, was er will, woran er Freude hat. Wenn ich mir jetzt Bilder meines Pferdes ansehe, egal ob bei der Arbeit oder auf der Weide, dann sehe ich ein stolzes Pferd, das vor Lebensfreude sprüht, dem es gut geht und das „im Lack“ ist. Er hat sich wirklich zum zweiten Seelenpferd meines Lebens gemausert und ich bin einfach nur froh, ihn zu haben. Die Arthrose macht uns übrigens bis heute *KlopfAufHolz* dank angepasster Fütterung, Haltung und Training keinerlei Probleme. Nichtmal das Hüpfen über Jagdsprünge scheint ihn zu stören, denn wenn er das nicht freiwillig täte, würde ich das nie verlangen.

 

 

 

 

 

Pimp my Ride mal anders…

…oder aus alt mach neu – Sattel-Tuning für Anfänger

Also ich muss ja ehrlich sagen, ich kaufe gerne gebrauchte Sättel. Auch gerne solche, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Ich hatte für beide Pferde das Glück sehr wenig benutzte Sättel für relativ wenig Geld zu erstehen, da die Vorbesitzer diese irgendwie „vergessen“ hatten.

Nun ja, wie das so ist, wenn der Sattel einige Zeit irgendwo unbenutzt rum hing, wird er halt auch nicht gut gepflegt und vor allem schwarzes Leder verliert dann gerne mal die Farbe.

Nachfolgend werde ich euch Schritt für Schritt berichten, wie ihr für wenig Geld und mit erstaunlich wenig Aufwand eure Sättel wieder dauerhaft und vor allem ohne Abfärben tiefschwarz bekommt.

Was braucht man?

 

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Der Kieffer vorher

Schritt 1

Mit einem weichen Lappen (bei mir war das ein altes, zerschnittenes Geschirrtuch) und handelsüblichem Spiritus den Sattel abreiben. Ich habe hier die Sitzfläche und die oberen Sattelblätter behandelt.

Danach mit dem mitgelieferten Entfetter auch die Flächen noch einmal abreiben.

Schritt 2

Die Coloration mit dem mitgelieferten Schwamm auf die vorbehandelten Stellen auftragen. Hierbei bitte unbedingt Handschuhe tragen und auf den Boden und Kleidung achten 😉

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Nach der ersten Runde Farbe

Kurz antrocknen lassen und dann wiederholen.

Kleine Kratzer, ungleichmäßige Färbung, leichte Abnutzungsspuren, alles verschwindet.

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Hier der Prestige nach der zweiten Runde Farbe

 

Schritt 3

Ich habe zwischen der zweiten Farbschicht und dem Ölen einen Tag gewartet, damit die Farbe gut einziehen kann.

Und nun Ölen, was das Zeug hält. Glaubt mir, der Sattel säuft mindestens einen halben Liter Öl weg.

 

Und hier dann das Endergebnis – nur nach dem Ölen mit einem weichen Tuch abgerieben:

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Sooo, ich glaube, der ein oder andere hat jetzt was zu tun 🙂

Viel Spaß damit & LG
Eure Offenstalltussi

PS: Mit nem Bierchen oder nem Prosecco geht das viel leichter von der Hand 😉

DIY – Sattelhalter für den Rücksitz

Was macht man, wenn man regelmäßig mit dem Pferd unterwegs ist und keine Sattelkammer im oder am Hänger hat? Richtig! Man baut einen Sattelhalter fürs Auto.

Das geht ganz einfach.

Gebraucht werden 2 Holzstücke von ca. 4cm x 15cm und ein Stück Seil. Dazu noch einen Bohrer und für die coole pinke Optik etwas Sprühlack 😉

Dann bohrt man je ein Loch mittig in die Holzstücke – groß genug, dass man das Seil durchfädeln kann.

Man besprüht die Holzstücke und lässt sie trocknen.

Seil durch beide Holzstücke fädeln, eine Seite festknoten.

Dann am besten mit jemand, der kurz mit anhält das bereits geknotete Stück Holz unter dem Sattel durch führen. Das andere Stück durch die Kopfstütze des Autositzes fädeln. Dann muss noch einer den Sattel gut anhalten, während der andere vorne noch einen Knoten ins Seil macht.

und siehe da: Fertig ist der DIY Sattelhalter fürs Auto 🙂

Ich hoffe, euch erleichtert das die nächsten Ausflüge mit Pferd genau so wie mir!

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi

Strahlfäule – was hilft?

Nahezu jeder Pferdebesitzer hat(te) im Laufe seines Lebens (schon) mal irgendwie mit Strahlfäule zu tun. Wie so oft sind hier die Auslöser vielfältig und am Ende des Tages wird langfristig nur die Ursachenforschung und -beseitigung zum Erfolg führen.

Die Hauptursachen sind sicherlich unpassende Hufbearbeitung, mangelnde Hygiene in Box und/oder Auslauf, zu viel Feuchtigkeit. Aber auch das Immunsystem ist maßgeblich beteiligt.

Hierzu sei auch noch gesagt, dass der tatsächliche Fäulnisvorgang im Huf/Strahlbereich sowohl bakteriell als auch fungizid ausgelöst sein kann und sich daran auch die Behandlung orientieren sollte.

Was mache ich aber, wenn ich die großen Auslöser weitestgehend ausschließen kann und mein Pferd trotzdem einen gewissen Grad an Strahlfäulebefall hat?

Ich habe verschiedene Dinge getestet.

Wichtig ist natürlich zuerst mal den Huf/Strahlbereich sehr gut zu reinigen. Ich mache das mit einer speziellen Kräuterseife, es eignet sich aber auch Kernseife oder ähnliches. Je nachdem, was man eben zur Hand hat.

Dann sollte man das Ganze gut desinfizieren. Bei leichtem Befall benutze ich mittlerweile ein sehr gutes Produkt der Firma Absorbine (Hooflex Frog & Sole Care). Das bringt man nach der Reinigung einfach in den befallenen Bereich ein. Wenn man die Öffnung der Flasche nicht zu groß schneidet, lässt es sich super in den Strahl träufeln. Danach tamponiert man ggf. noch den Bereich und lässt solange Flüssigkeit reinlaufen bis die Tamponade gut getränkt ist.

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Sollte der Befall schon weiter fortgeschritten sein, wird das Absorbine leider nicht mehr ausreichend wirken und man braucht etwas härtere Geschütze. Ich hatte leider so einen Fall, konnte ihn aber mit dieser Therapie innerhalb von 2 Wochen auf ein absolut erträgliches Maß reduzieren.

Nach dem gründlichen reinigen wie oben beschrieben, desinfiziert man mit kollodialem Silber. Das tötet nicht nur Baktierien, sondern auch Pilze und ist daher als rundum Desinfektion in solchen Fällen wirklich gut.

Danach habe ich in die relativ tiefe mittlere Strahlfurche jeweils eine Tablette Rivanol eingebracht. Diese mit Tamponade abgedichtet und mit kollodialem Silber angegossen.

Dann habe ich eine Woche lang täglich den Huf gereinigt, desinfiziert und die Tamponade erneuert und angegossen. Durch die täglich frische Tamponade konnte sich die Tablette im Strahl nach und nach auflösen und ihren Wirkstoff freisetzen. Nach einer Woche habe ich erneut eine Tablette eingebracht und das Spiel mit den Tamponaden für weitere 7 Tage wiederholt. Danach war der Bereich trocken und sauber und keine Spuren mehr von Strahlfäule zu finden.

Ja, das ist eine relativ rabiate Kur, dennoch sicherlich angenehmer als so einige andere Präparate am Markt und absolut wirksam in kurzer Zeit.

Ich habe danach noch einige Zeit regelmäßig den Huf gut gereinigt, gewaschen und desinfiziert. Des Weiteren benutze ich seither regelmäßig 1-2 Mal die Woche das „Strahlwohl“ von Sapodoris.de

Ich wünsche Euch viel Erfolg bei der Behandlung!!

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi

Ein typischer Jagd-Tag

Die Hunde voran, packen wir’s an…

In diesem Artikel möchte ich einmal erzählen, wie ein typischer Jagd-Tag bei uns so aussieht und auch wie eine Jagd üblicherweise abläuft.

08.00 Uhr: Ankunft am Stall

Pferd von der Koppel holen, in der Box parken. Putzen, füttern, für den Transport vorbereiten, Hänger ankuppeln, überprüfen, ob man alles wichtige eingepackt hat, Pferd verladen.

09.30 Uhr: Abfahrt zum Veranstaltungsort

10.50 Uhr: Ankunft am Veranstaltungsort

Versorgen der Pferde: Checken, ob alles ok ist, Wasser in den Hänger hängen.
Sich selbst fertig machen. Zum Umtrunk erscheint man bereits in kompletter Jagdmontur (je nach Wetter mit oder ohne Jagdrock), aber immer OHNE Sporen.

11.00 Uhr: Jagdfrühstück

Hier entrichtet man das Capgeld, trägt sich ins Jagdbuch ein, trifft alte Bekannte und neue Gesichter. Es gibt ein Frühstück und Getränke, damit dann alle gestärkt aufbrechen können.

12.30 Uhr: Satteln

13.00 Uhr: Stelldichein

Man nimmt Aufstellung zu Pferde, die Jagdhornbläser spielen, die Meute wird herangeführt, der Master hält eine kurze Ansprache, man wünscht sich eine gute, unfallfreie Jagd und nach einem dreifachen, kräftigen „Horrido“ — „joho“ gefolgt vom „Die Hunde voran, packen wir’s an, Bayernpack ran“ reitet man los in Richtung der ersten Schleppe.

Die eigentliche Jagd

Eine Jagd besteht meist aus ca. 6 Schleppen, die auf rund 17-25km Strecke verlaufen. Zwischen den einzelnen Schleppen wird Schritt oder locker Trab geritten, auch vor der ersten Schleppe reitet man zum Aufwärmen locker alle drei Gangarten.

Dann gehen die Schleppenleger los, in gutem Abstand werden die Hunde auf die Spur geführt, man wünscht sich „Gute Jagd“ und los geht’s. Man „fliegt“ durch malerisches Gelände, durch Wasser, bergauf, bergab über die Sprünge (oder daran vorbei) — alles untermalt von den Jagdhornbläsern und dem Geläut der Hunde… Einfach nur traumhaft. Bis man am Ende der Schleppe wieder auf die Hunde und die „gestellten“ Schleppenleger trifft.

Nach einer kurzen Verschnaufpause und dem Tränken der Hunde nimmt man wieder Aufstellung und bewegt sich geordnet in Richtung der nächsten Schleppe.

Zwischen den Schleppen gibt es einen Brotzeit-Halt. Hier werden Mensch und Tier mit Getränken und kleinen Stärkungen versorgt.

Nach der letzten Schleppe gibt es das „Halali“. Man schüttelt Hände, busselt sich und freut sich, dass (hoffentlich) alle gesund und munter die Jagd überstanden haben. Wenn alle Helme und Handschuhe wieder angezogen sind, geht es zurück zum Ausgangsort, wo der Master noch einmal ein paar Worte spricht, die Hunde ihr „Curée“ erhalten und die Reiter nach einem „Waidmannsheil — Waidmannsdank“ ihren Bruch nebst Jagdknopf.

 

Danach sattelt man ab, versorgt und verlädt die Pferde und trifft sich noch zu einem netten Ausklang in Form von Umtrunk und Jagdessen. Wenn alle satt sind und der Durst gestillt ist, bricht man langsam auf in Richtung Heimat.

Am Ende eines langen, anstrengenden Tages sind Mensch, Pferd und Hunde ziemlich K.O. und fallen tot ins Bett – und mit etwas Glück träumen sie vom nächsten jagdlichen Abenteuer. 🙂

Die hier verwendeten Fotos entstanden mit freundlicher Unterstützung von Stephan Einödshofer. Die Jagd fand auf dem Gelände des Schleppjagdverein von Bayern e.V. statt, hinter dessen Meute ich regelmäßig reite.

 

 

Zeit zu gehen…

Heute was zum Nachdenken…
Wenn es Zeit wird zu gehen für unsere Liebsten, dann müssen wir als Besitzer auch zu der Verantwortung stehen, die wir beim Kauf automatisch übernommen haben… Retten um jeden Preis oder das Leben verlängern um jeden Preis… Das muss wirklich nicht sein.
Ich hab kürzlich eine sehr traurige Geschichte live miterleben müssen.

Bitte liebe Leute, schaut genau hin und erkennt die Anzeichen! Unsere Partner kommunizieren mit uns und wir sind es Ihnen schuldig, ihnen den Weg über die Regenbogenbrücke so leicht wie möglich zu machen. Wenn die Augen müde sind, der Glanz verschwindet, das verschmitzte Leuchten fehlt. Dann ist es Zeit loszulassen. So traurig das ist, so weh es tut, so sehr wir unsere Freunde vermissen werden. Hinschauen. Hinfühlen. Entscheidung treffen.

Anbei ein Bild von Ringo. Herzenspferd Nr. 1 in meinem Leben und schon lange auf den unendlichen Weiden hinter der Brücke. Eingeschlafen im Alter von 35. Mit Kopf auf meinem Schoß inmitten seiner Freunde.

 

Luzerne (auch Alfalfa) – ein Wundermittel?

Da ich in letzter Zeit vermehrt auf Fragen zu Luzerne, ihren Eigenschaften, Vor- und Nachteilen sowie Verwendungszweck stoße, möchte ich hier einmal einen Überblick geben, was „die Königin der Futterpflanzen“ so alles kann, wann es Sinn macht, welchen Teil der Pflanze zu verfüttern und welche Formen es auf dem Pferdefuttermarkt so gibt.

Was genau ist Luzerne eigentlich?

Luzerne (wissenschaftlicher Name Medicago sativa), auch Alfalfa, Schneckenklee oder Ewiger Klee genannt, gehört – wie der Name schon sagt – zu den Kleearten und ist seit Jahrhunderten als Futterpflanze kultiviert. Demnach ist Luzerne im Grunde nichts anderes als zunächst mal artenarmes (weil nur aus einer Pflanze bestehend), sehr reichhaltiges Heu.

Was macht Luzerne so wertvoll in der Pferdefütterung?

Luzerne enthält sehr viel Eiweiß und damit essentielle Aminosäuren, die der Pferdekörper braucht, um Muskulatur aufzubauen und zu erhalten. Darüber hinaus haben Aminosäuren ganz grundlegende Aufgaben im Zellstoffwechsel. Die genauen Erklärungen führen hier jetzt zu weit, wer interessiert ist, kann dies in entsprechender Fachliteratur (z.B. Ingolf Bender – Praxishandbuch Pferdefütterung) nachlesen. Neben der Aminosäuren enthält Luzerne auch sehr viel Calcium, wodurch es auch für magenempfindliche Pferde sehr gut geeignet ist. Dies beruht auf dem neutralisierenden Effekt des Calciumgehaltes im Bezug auf die Magensäure (Nadeau et al. 2000).

Gerade leichtfuttrigen Pferde, die sonst „eher kurz gehalten“ werden in der Fütterung (sprich mageres, oft rationiertes Heu) fehlen dann die Aminosäuren, was sich zum einen an der Muskulatur und im weiteren dann an Haar- und Hornqualität bemerkbar macht. Hier ist Luzerne als Ergänzung ideal, da sie vergleichsweise stärke- und zuckerarm ist.

Hier die Vor- und Nachteile zusammengefasst:

+ Aufwertung Eiweißgehaltes der Tagesration (bei getreidearmer Fütterung)
+ Aufwertung von nährstoffarmem, spätgeerntetem Heu
+ Als Krippenfutter, wenn man kein Getreide füttern kann oder will
+ in Kombination mit Getreide zur Magenschonung und Rationsaufwertung
+ Aufwertung der Ration mit Calcium während der Laktation und des Wachstums.
+ Aufwertung der Eiweiß- und Energieversorgung bei Pferden mit empfindlichem  Zuckerstoffwechsel (niedriger glykämischer Index).

– hoher Gehalt an Eisen und Calcium hat eine antagonistische Wirkung (Wechselwirkung) auf die Verwertung von Magnesium, Phosphor, Zink, Kupfer, Mangan und Selen. Wichtig ist also ein sinnvoller Ausgleich an Mineralstoffen und Spurenelementen (bei der Auswahl des MiFu zu beachten). –> Vor allem das Ca:P Verhältnis sollte man im Auge behalten, wenn man Luzerne in größeren Mengen füttert.
– Bei Weidegang oder reichhaltiger Grasfütterung kann es zum Eiweißüberschuss kommen, hier macht also die Ergänzung von Luzerne in größeren Mengen keinen Sinn.

Welche unterschiedlichen Darreichungsformen der Luzerne gibt es?

Da – wie wir eben gelernt haben – Luzerne ja zunächst nichts anderes als sehr energiereiches Heu ist, gibt es die Möglichkeit sie auch als solches zu behandeln: nämlich trocknen und in Ballen pressen. Hier hat man nur meist das Problem, dass die Blätter recht schnell bröseln, damit quasi nur noch Stängel übrig sind und das ganze eine eher staubige Angelegenheit werden kann.

Es gibt zum Beispiel gehäckselte Luzerne, die nur aus Stängeln besteht (z.B. Luzernefaserpur von Lexa). Diese enthält weniger Energie als übliches Heu und ist daher sehr gut geeignet, um leichtfuttrigen Pferden Zusatzfutter wie Mineralfutter etc. unterzumischen. Die gehäckselten Stängel werden auch gern genutzt, um die Fresszeit, das Kauen und das Einspeicheln von Krippenfutter wie Hafer zu verlängern/verbessern.

Dann gibt es weiter Häcksel aus der ganzen Pflanze (also mit Blattanteil), bei diesen hat man oftmals dasselbe Problem wie  bei Luzerne in Ballen: es  bröselt und wird staubig. Deshalb neigen leider viele Hersteller dazu, diese Häcksel zu melassieren. Hier scheiden sich dann wieder die Geister, ob Melasse gut oder schlecht ist und wenn in welchen Mengen es verfüttert werden kann/soll/darf. Ich bin sehr zufrieden mit der Qualität vom Luzerne Plus von Agrobs, da diese mit Grünhafer kombiniert ist und daher für ein Einzelfuttermittel ein sehr gutes Ca:P Verhältnis aufweist und mit rund 10% Rohprotein dennoch eine schöne Menge an Aminosäuren liefert. Hier wurde ein geringer Anteil Leinöl zugefügt, was für eine angenehm staubfreie und nicht zuuu trockene Substanz sorgt. Der leicht süßliche Geschmack vom Grünhafer führt dazu, dass dieses Produkt auch ohne Melasse meist sehr gern gefressen wird.

Kommen wir zu Luzernepellets. Da muss ich mir jetzt wirklich mal Proben bestellen, denn hier kann ich keine eigenen Erfahrungen vorweisen. Ich weiß aus Unterhaltungen mit Befürwortern dieser Form der Luzerne und aus entsprechender Recherche, dass es Pellets in unterschiedlichen Energieklassen gibt und diese auch trocken verfüttert werden können. Ein sehr guter Anbieter von solchen Pellets ist wohl Semhof. Im Vergleich nicht gerade günstig, aber eben trocken zu füttern (was ja in Pensionsställen oftmals Sinn macht), individuell für den Bedarf verfügbar und in Bio-Qualität.

Last but not Least: Luzernecobs
Meine bevorzugte Art der Luzernefütterung. Cobs haben in der Regel einen recht hohen Energiegehalt, vor allem die von Lexa, die ich regelmäßig bestelle. Sie werden eingeweicht gefüttert und sind ideal für schwerfuttrige Pferde als Ergänzung zu Hafer oder Reiskleie, zum Auffüttern oder auch zur Rationsaufwertung bei älteren Pferden mit Zahnproblemen.

So, ich hoffe, ich konnte euch einen guten Überblick verschaffen. Wenn ihr noch fragen oder Anregungen habt, dürft ihr euch jederzeit gerne melden. 🙂

In diesem Sinne trink ich jetzt meinen Martini aus und schaue, dass ich ins Bett komme, morgen will schließlich Herr Pferd bespaßt werden… Prost, auf euch, habt ein tolles Wochenende!

Liebe Grüße,
Eure Offenstalltussi

 

 

 

Schleppjagdreiten – FAQ

Hier werde ich mal die häufigsten Fragen beantworten, die ich als Schleppjagdreiter so regelmäßig gestellt bekomm…

Ist das so richtig Jagd, mit Gewehren und wird da was getötet?

Nein und nein. Wir reiten mit Hunden, unsere Foxhounds gehen auf eine Duftspur („Schleppe“ oder „Scent“), die unmittelbar vorher von den Schleppenlegern gelegt wurde. Die Beute der Hund ist am Ende der Schleppe quasi das „Stellen“ der Schleppenleger und baden/trinken aus/in natürlichen Quellen bzw. zuvor bereit gestellten künstlichen Wasserstellen (Wannen). Am Ende der Jagd, was meist nach 5-7 Schleppen der Fall ist, erhalten die Hunde ihr Curee, das ist meistens Pansen und entsprechend gewöhnungsbedürftig im Geruch 😛

Wie kommt man zum Jagdreiten?

Nun ja, zum Beispiel indem man wie ich einen etwas geisteskranken Opa hat, der einen 12-jährig schon nach Herrenchiemsee schleppt und so quasi das Jagdfieber schon früh schürt. Alternativ über die Buschreiterei, viele unserer aktiven Reiter sind im normalen Leben Vielseitigkeitsreiter. Andere kennen eben Jagdreiter, schnuppern mal rein und bleiben drauf hängen oder man reitet einfach gern ambitioniert, trainiert gern auf ein Ziel hin ohne am Ende irgendwelche Wettbewerbe bestreiten zu wollen. Es gibt viele Gründe und Wege wie und warum man zum Jagdreiten kommt, da wieder raus gibt es meist nur einen: das persönliche an-den-Nagel-hängen des Reitsports als solchen.

Wo macht man das?

Hier in Bayern haben wir gleich zwei Meuten – die Frankenmeute mit Beagles (diese gehen allerdings auf Tritt- nicht auf Duftspuren) und meinen Verein, den Schleppjagdverein von Bayern e.V. mit seinen über 70 Foxhounds, der in Gundelsdorf in der Nähe von Augsburg ansässig ist. Jagden werden organisiert und ausgerichtet in ganz Bayern (es gibt auch noch weitere Meuten/Vereine im Rest von Deutschland). Besonders interessant werden sogenannte Zweimeutejagden, wenn die Bayern und die Franken sich gemeinsam die Ehre geben. Das ist ein ganz besonderes Spektaktel, wenn wie am 17.09. bei uns in Gundelsdorf, 25 fränkische Beagle und 25 bayerische Foxhounds zusammen laufen.

Was fasziniert dich so am Jagdreiten?

Um es mit den Worten unseres Vizepräsidenten zu sagen: „Der Dreiklang. Die Hunde. Die Pferde. Die Natur.“
Es ist ein ganz besonderes Gefühl hinter diesen einzigartigen Hunden zu reiten, man fliegt über Felder, Wiesen und durch Wälder in einem Tempo, das man alleine nie reiten würde, schert sich nicht darum, dass es auf einmal bergab geht und genießt einfach das atemberaubende Panorama unterschiedlichster Geländearten und Gegenden. Es ist „ambitioniertes Reiten“ in netter Gesellschaft. Ja, auch die Gesellschaft und Geselligkeit kommt beim Jagdreiten nicht zu kurz. Man reitet zusammen, man teilt eine Passion, man hilft sich. Das ist so eine ganz andere Atmosphäre als beispielsweise beim Turnier.

Kann man das lernen?

Ja und nein. Unser Verein veranstaltet regelmäßig im Sommer tolle Trainings. Dort kann man mit dem eigenen Pferd in fünf Tagen herausfinden, ob dieser Sport etwas für einen selbst und das Pferd ist, ob man fit genug ist für die Herbstsaison (und hier sollte wirklich nicht nur das Pferd fit sein) und ja, man lernt auch viele Tricks und Kniffe, die einem „im Feld“ sehr dienlich sein können. Nichtsdestoweniger passiert auf jeder Jagd immer irgendetwas völlig unvorhersehbares und man muss immer hochkonzentriert bei der Sache sein. Ich finde, wenn man die nötige Sattelfestigkeit beim Reiter und Trittsicherheit sowie Grundgeschwindigkeit beim Pferd mitbringt, kann man den Rest auf jeden Fall lernen.

Braucht man ein spezielles Pferd?

Nun, rassemäßig gibt es wohl nichts, was es auf Jagden nicht gibt. Ich hab vom Vollblut übers Warmblut übers Kaltblut bis zum Pony schon alles auf Jagden laufen und sie auch  bestehen sehen. Wichtig ist, dass das Pferd „gut geländegängig“ ist sowie ein gewisses Grundtempo laufen will und halten kann. Springen ist nicht zwingend erforderlich, es gibt eigentlich immer ein Nichtspringerfeld und die Sprünge können sicher umritten werden. Nervenstärke hilft enorm, das Pferd sollte kein Problem im engeren Feld mit nahe galoppierenden anderen Pferden haben und Angst vor Hunden wäre äußerst kontraproduktiv  😉

Braucht man spezielle Ausrüstung?

Zunächst einmal reicht ein üblicher englischer Sattel und Zaum. Spartenfremde Ausrüstung ist nicht gestattet, aber ob man nun mit Spring- oder Vielseitigskeits- oder gar Dressursattel reitet, juckt wirklich niemanden. Der Zaum sollte gut passend sein und man sollte sich vorher überlegen, ob man nicht ausnahmsweise ein etwas „schärferes“ Gebiss benutzt. Nein, natürlich soll man nicht mit den Zügeln bremsen und ich unterstütze dergleichen auch nicht, dennoch ist es so, dass viele Pferde – vor allem wenn sie noch unerfahren sind – gut heiß werden und da ist es beruhigend zu wissen, dass man doch etwas mehr in der Hand hat als sonst. Viele reiten mit Vorderzeug und/oder „Jagdriemen“. Ersteres ist natürlich nie schlecht für die Sicherheit, falls man doch mal unfreiwillig absteigt, dass die Zügel dort bleiben, wo sie hingehören. Abgesehen davon ist es nicht verkehrt, die Pferdebeine zu schützen, das heißt in der Regel sieht man farblich zur Schabracke (nicht Satteldecke) passende Gamaschen und vereinzelt auch Hufglocken an den Pferdebeinen. Darüberhinaus schadet es nicht, wenn man ein beschlagenes Pferd hat, die Eisen auf festen Halt zu überprüfen bevor man losreitet. Während der Jagd verlorene Eisen sind immer sehr ärgerlich und haben im worst case das Ende der Jagd für einen selbst zur Folge.

Reiter tragen als Mindestanforderung Turnierkleidung (weiße Hose, Jackett, Stiefel, Plastron). Erfahrenere oder besser langjährige Jagdreiter erkennt man meist an spezieller Kleidung bestehend aus Jagrock und Weste plus Plastron und farblich passenden Stiefeln.

Farbtechnisch reiten wir Bayern im Herbst recht knallig. Das heißt die Herren in rotem Rock und weißer Hose und die Damen in blauem Rock und maisgelber (angelehnt ans Gold) Hose. Dazu tragen die Herren schwarze Stiefel mit brauner Stulpe, die Damen blaue Stulpe. Zumeist sieht man allerdings ganz schwarze Stiefel, was auch „regelkonform“ ist. Auf dem Kopf trägt man traditionell eine Melone, heute ist natürlich dem Sicherheitsaspekt folgend ein Reithelm vollkommen in Ordnung und auch Sicherheitswesten oder Protektoren sind gestattet.

…to be continued…

Das hier verwendete Foto entstand mit freundlicher Unterstützung von Stephan Einödshofer!

 

 

 

 

Aufwärmen für Fortgeschrittene

Ich werde zur Zeit öfter Mal gefragt, was ich bei der Dressurarbeit so an Aufwärmübungen mache. Ehrlich gesagt ist das gar nicht so schwer.

Ich fange immer an mit einigen Bahnen am langen Zügel im Schritt. Danach folgen ein bis zwei Bahnen mit angenommenem (rahmengebendem) Zügel. Da ich ja dressurmäßig nach der akademischen Reitweise arbeite, reite ich hier mit Semikappzaum und Renaissancekandare. Mit dieser Kombination fühlen Herr Pferd und ich uns am wohlsten und es fällt ihm am leichtesten loszulassen.

Ich frage also während dieser Zeit am rahmengebenden Zügel immer wieder über leichte Impulse am Kandarenzügel, ob er sich ans Gebiss herandehnen möchte. In der Regel tut er das auch.

Dann reite ich je Hand im Schritt folgende Lektionen (jaa, wir sind immer noch beim Warmreiten) jeweils an der langen Seite der Bahn:

  • Schulterherein
  • Kruppherein
  • Renverse
  • je halbe lange Seite Kruppherein/Schulterherein
  • je halbe lange Seite Schulterherein/Renverse
  • Traversale zum Handwechsel

Wenn hier alles auf beiden Händen gut geklappt hat, wiederhole ich das ganze im Trab.

Im Zuge der Übungen wiederhole ich immer wieder die Impulse am Kandarenzügel, sodass er sich während der Aufwärmphase bereits leicht in Aufrichtung begeben kann.

Dann sind wir beide schön warm und beweglich und können mit der eigentlichen Arbeit anfangen.

Fehlerfinden/Problem beheben:

Nun. Natürlich haben auch Jules und ich weniger gute Tage. Mal zwickt es ihn wo, mal mich. Wenn der Fehler nicht an mir liegt (schlechter Sitz durch zB Verspannung oder schlechte Konzentration), dann kann ich ziemlich sicher sein, dass es Jules irgendwo zwickt und es gilt herauszufinden, wo und wie man das beheben kann.

Wenn er sich schon am Anfang schlecht lösen will, also sich im Genick verwirft und/oder im Kiefer fest macht, dann ist es bei uns reine Konzentrationssache. Das heißt, ich muss ihn mehr beschäftigen und seine Aufmerksamkeit zu mir holen. In solchen Fällen wechsle ich in die Zirkelarbeit. Dort frage ich dann Schulterherein und Kruppherein im Wechsel ab, oft nur 2-3 Tritte und umstellen. Außerdem baue ich dann gerne Schritt-Halt-Schritt-Übergänge ein (und im weiteren dann auch Trab-Halt-Trab; dies ist im Übrigen auch eine wunderbare Übung, um das Pferd mehr auf die Hinterhand zu setzen).

Merke ich bei einem der Seitengänge, dass ihm eine Seitengang speziell oder auch eine Hand allgemein schwerer fällt, arbeite ich langsam aber kontinuierlich an genau diesem Problem. Oft beginne ich dann mit nur 2-3 korrekten Tritten, richte sofort gerade, lobe und es gibt eine kurze Pause in Form von Abstrecken dürfen. Das steigere ich dann langsam über mehrere ganze Bahnen, bis er mindestens die Hälfte der langen Seite korrekt bewerkstelligen kann. Ich bitte dabei zu beachten, dass ich mein Pferd dahingehend mittlerweile sehr gut kenne und natürlich nicht Übungen weiter abfrage, wenn ich merke, dass ihm etwas wirklich unangenehm ist. Aber im Großen und Ganzen sehe ich Seitengänge – vor allem im Schritt – als Bewegungs- bzw. Physiotehrapie (und seien wir ehrlich, wir finden auch nicht immer angenehm, was der Physiotherapeut mit uns macht, dennoch geht es uns hinterher viel besser 😉 )

Seit wir diese Beständigkeit im Training haben, die man so vielseitig einsetzen kann (andere Abfolge der Lektionen, ab und an baue ich den spanischen Schritt mit ein oder reite die Übungen auch auf der Mittellinie bzw. dem Zirkel), läuft unser Training wirklich um ein Vielfaches besser.